Die Bundesligaclubs und der Deutsche Judobund (DJB) liegen über Kreuz. Die Vereine wehren sich gegen die Pläne für eine eingleisige Bundesliga. Redakteur Dietmar Mauer sprach mit SUA-Geschäftsführer Matthias Kiehm, der als Bundesligareferent im DJB-Vorstand die Vereine vertritt.
Wie ist der Stand der Dinge zwischen den Vereinen, deren Interessen Sie im Vorstand vertreten, und dem nationalen Verband?
Kiehm: Das DJB-Präsidium hatte, ohne das mit den Vereinen abzusprechen, einen Antragsentwurf für die Mitgliederversamlung am 15. November vorbereitet, wonach es eine eingleisige erste Liga der Männer geben sollte – mit einem Wettkampftag weniger. Dieser Antragsentwurf ist aber wohl wieder vom Tisch.
Wie haben Sie auf den Entwurf reagiert?
Kiehm: Ich hatte schon vor Kenntnis des Entwurfes an alle Vereine einen Brief geschrieben und sachlich um Unterstützung im Kampf für bessere Rahmenbedingungen gebeten. Erst später wurde mir der Antragsentwurf des Verbandes zufällig bekannt. Daraufhin habe ich mich ein zweites Mal an die Vereine gewandt.
Wie war die Resonanz?
Kiehm: Überwältigend – ich war überrascht. Zwei Drittel der Bundesliga-Vereine hat Unterstützung zugesagt.
Warum wehren sich die Vereine gegen eine eingleisige Liga und einen Kampftag weniger?
Kiehm: Durch eine eingleisige Liga würde der Wettbewerb noch weiter komprimiert. Um an der Spitze mitmischen zu können, müssten wir unsere Spitzenathleten immer einsetzen, um eine Chance auf die Play Offs zu haben. Wie soll das gehen, wenn der DJB wie heutzutage Athleten für die Bundesliga sperrt, weil sie Lehrgänge oder Wettkämpfe für den Verband bestreiten sollen?
Was befürchten Sie durch die Kürzung um einen Kampftag?
Kiehm: Wir haben ohnehin schon wenige Kampftage – und die sind auch noch sehr auseinandergerissen. Dabei sind wir, die wir meist von lokalen Sponsoren unterstützt werden, auf jeden Heimkampf angewiesen. Die wenigen Kampftage, die wir haben, wollen wir auch erhalten.
Wie geht es denn nun weiter?
Kiehm: Am 31. Oktober gibt es eine Ligatagung mit Präsidium, Vereinsvertretern und Bundestrainern. Da werden wir das Thema ansprechen. Wir wollen eine Bundesliga mit geschützten Terminen und Wettkämpfen am Block.
Was bedeutet geschützte Termine?
Kiehm: Das sind feste Termine, an denen Kämpfer nicht gleichzeitig zu Lehrgängen oder Wettkämpfen für den Verband antreten müssen. Einige im Verband empfinden die Bundesliga offenbar als störend, doch wir geben dem Judo in Deutschland ja auch etwas. Ohne die Arbeit der Vereine stünde der Verband schlechter da. Und das wollen wir wieder stärker herausstellen. Man muss versuchen das eine, die Lehrgänge und Kämpfe beim Verband, hinzukriegen, ohne das andere, die Bundesliga, zu vernachlässigen. Mit ein bisschen gutem Willen müsste das zu schaffen sein. Wir wollen nicht stiefmütterlich behandelt werden. Wir sind dem DJB in der Vergangenheit weitgehend entgegengekommen. In die andere Richtung passierte nichts. Es war Zeit für eine Aktion.
Sie sind als Bundesligareferent Vorstandsmitglied des DJB. Gibt es da einen Interessenkonflikt?
Kiehm: Nein. Als Bundesligareferent bin ich von den Vereinen gewählt, ihre Interessen zu vertreten. Nichts anderes tue ich.
Was passiert, wenn es keine gemeinsame Lösung gibt?
Kiehm: Im Moment gehe ich davon aus, dass es eine gemeinsame Lösung geben wird. Das DJB-Präsidium wird unser Anliegen nicht einfach vom Tisch wischen können. Dafür ist die Unterstützung, die wir von den Vereinen erfahren haben, zu groß.
Ringer-Bundesligisten haben die „DL Ringen" als Interessenvertretung gegründet. Ist etwas Ähnliches im Judobereich denkbar?
Kiehm: Konkrete Pläne gibt es dafür nicht, aber auch in diese Richtung wurde schon einmal nachgedacht.


