Wittener Judoka nach ersten sieben Kämpfen mit 2:3 zurück - am Ende aber reicht es nicht ganz. Oldenburg gewinnt beide Duelle.
KSV Esslingen - SU Annen 6:5 (52:50)
Welch ein dramatischer Kampf im Viertelfinale der Judo-Bundesliga - und eben doch leider kein Happy-End: Die Sport-Union Annen hat den Einzug in die Endrunde nur um Haaresbreite verpasst, unterlag beim Südzweiten KSV Esslingen mit 5:6 (Unterbewertung: 50:52) und bleibt in der Saison 2009 unglücklicherweise ohne Medaille.
Irgendwie mussten angesichts des anfänglichen Verlaufs schon Erinnerungen an den Vergleich vor zwei Jahren wach werden, als die Annener in eigener Halle bereits mit 0:4 im Hintertreffen lagen, dann aber noch ein 6:6 schafften und dank der besseren Unterbewertung ins Halbfinale einzogen und die Medaille sicherten. Diesmal nämlich gerieten die SUA-Judoka mit 0:3 in Rückstand, fighteten sich aber nochmal zurück.
Stefan Oldenburg (Oliver Schinkewitz
In der 60-kg-Klasse hatte der Niederländer Jeroen Mooren Pech, verlor zum Auftakt erst in allerletzter Sekunde mit Yuko-Wertung gegen den starken Briten Craig Fallon. Die Auslosung hatte es eigentlich ganz gut gemeint mit den Gästen, denn nach Mooren musste gleich Benjamin Behrla auf die Matte, der heuer erst einen Bundesliga-Kampf verlor. Doch gegen den U 20-Weltmeister der 90-kg-Klasse von 2008, den Georgier Varlam Liparteliani, tat sich der Wittener schwer, kam nicht über ein Remis hinaus. Beide kassierten zwei Bestrafungen - damit hieß es aus SUA-Sicht weiter 0:1.
Die nächsten beiden Duelle aber gingen beinahe erwartungsgemäß an die Esslinger. Zunächst musste sich Martijn van Oostrum dem ehemaligen Deutschen Meister und Militärweltmeister Adrian Kulisch in der 66 kg-Klasse mit Ippon beugen, dann kassierte Lutz Behrla, der für den verhinderten Marvin de la Croes kurzfristig ins Start-Aufgebot rutschte, trotz guter Leistung gegen Helge Moldt - 0:3.
Doch die SU Annen dachte noch lange nicht daran, den Hausherren schon zum Sieg zu gratulieren. Die frischgebackenen Westdeutschen Meister Stefan Oldenburg (-81 kg) und Tobias Pahnke (+100 kg) setzten sich gegen ihre Kontrahenten durch, verkürzten auf 2:3. Oldenburg knackte relativ problemlos Esslingens 34-jährigen Trainer Carsten Finkbeiner, der momentan in glanzvoller Form kämpfenden Pahnke benötigte nur 64 Sekunden für seinen Erfolg gegen Jörn Linckh. Fast hätte es zur Pause sogar noch zum Remis gereicht, doch Jonas Focke kam in der 73-kg-Klasse nicht über ein Remis gegen den erst 19-jährigen Rene´ Schneider hinaus. Der Esslinger kassierte nur eine Verwarnung, eine Wertung erfolgte in der fünfminütigen Kampfzeit nicht.
„Das war sicherlich einer der Knackpunkte des Abends”, resümierte SUA-Trainer Holk Silbersack, der eigentlich auf einen Erfolg Fockes gesetzt hatte. Doch auch im zweiten Durchgang sollten noch ähnliche Duelle folgen.
So hielt Jeroen Mooren im zweiten Vergleich mit dem Briten Craig Fallon zwar viel besser dagegen - eine eigene Wertung aber blieb dem 60-kg-Mann verwehrt. Letztlich gab´s „ein verdientes Remis - das ging in Ordnung”, so Holk Silbersack. Mit ein wenig Glück aber hätte Mooren auch als Sieger von der Matte spazieren können - dann wäre wohl die SUA ins Halbfinale gegen das Hamburger JT (7:6 gegen Ettlingen) eingezogen.
Der Olympianeunte Benjamin Behrla (-100 kg) lag bei seinem zweiten Auftritt - diesmal gegen Dimitri Kosenko - in Folge einer Strafe zwar hinten, punktete dann allerdings eindrucksvoll mit einem Ko-uchi-maki-komi - der 3:3-Ausgleich. Allzu lange konnten sich die Wittener an diesem Stand jedoch nicht erfreuen, denn nacheinander verloren Daniel Lachmann (-66 kg, gegen Adrian Kulisch) und der etatmäßige 73-kg-Judoka Florian Hahn gegen das georgische 90-kg-Ass Varlam Liparteliani - damit liefen die Annener einem 3:5-Rückstand hinterher.
Für Stefan Oldenburg allerdings ist die Judo-Welt momentan fast durchweg rosarot: Auch gegen Julian Maier zeigte der 81 kg-Kämpfer eine blitzsaubere Leistung, gewann durch einen Ko-uchi-gari (Waza-ari) sowie dank dreier Bestrafungen seines Rivalen. 4:5 aus SUA-Sicht - wieder ein Silberstreif am Horizont.
Den vorentscheidenden Kampf bestritt dann Marcello Greco (+100 kg) gegen Esslingens Helge Moldt. Und den KSV-Judoka - obwohl normalerweise in der 90 kg-Kategorie beheimatet - bekam der Annener einfach nicht unter Kontrolle. Auch Trainer Holk Silbersack meinte achselzuckend: „Er hat es nicht geschafft, ihn zu bedrängen - Marcellos Angriffe waren einfach zu schwach.” Zunächst wurde Greco zweimal wegen Runterziehens bestraft - und mit der allerletzten Aktion gelang Moldt („der hat uns diesmal zwei ganz wichtige Punkte geklaut”) ein satter Konter mit einem Ura-nage, der den vollen Punkt brachte. Damit durften die Esslinger dank des 6:4-Vorsprungs bei nur noch einem ausstehenden Kampf - den Annens Jonas Focke gegen Philipp Dahn souverän gewann - schon mal jubeln.
Nach der unglücklichen 5:6-Niederlage war Holk Silbersack natürlich ebenso wie seine Mannschaft ziemlich geknickt: „Ein einziger Sieg statt eines Remis hätte uns schon gereicht zum Weiterkommen. Wir hatten wieder unsere Chancen, den Kampf zu gewinnen. Aber leider haben wir eben auch wieder dieses dämliche Verletzungspech gehabt - insgesamt haben wir uns sicher achtbar aus der Affäre gezogen.”
Im Halbfinale trifft nun das Hamburger Judo-Team, das in der Endrunde als Ausrichter fungiert, auf den KSV Esslingen. Die zweite Partie bestreiten der TSV Abensberg (9:3 gegen SC Berlin) und der JC Leipzig (6:5-Sieger beim JC 90 Frankfurt/Oder).


