Hamburg gegen Ettlingen
Die Begegnung im Viertelfinale der Judobundesliga (-Meisterrunde) zwischen dem Hamburger Judo Team und dem JC Ettlingen sollte zum Höhepunkt der bisherigen Vereinsgeschichte des Hamburger Judo Teams werden und war an Hochklassigkeit, Dramatik und Stimmung einzigartig.
Zum Pause stand es zwar 2:5 für den JC Ettlingen, jedoch hätte es auch anders stehen können, wenn nicht müssen. In den Gewichtsklassen bis 66 kg Dominik Falk gegen Patrick Sieger, bis 73 kg Max Münsterberg gegen den Geogier Paposhvili und bis 90 kg Srdjan Mrvaljevic gegen Timur Bolat gaben wir trotz überlegen geführter Kämpfe die Punkte ab.
So war die Devise für den zweiten Durchgang klar, dieses Mal mussten wir die „Schlüsselkämpfe“ in den Gewichtsklassen bis 66 kg, 73 kg und 90 kg für uns entscheiden und das war durchaus realistisch. Bis 60 kg und plus 100 kg waren uns mit Babak Banaiy und Abdullo Tangriev ebenfalls zwei Punkte ziemlich sicher. Das würde bedeuten es stünde am Ende 7:7.
Daher war die zweite Devise, dass es nun auf die Unterbewertung abkommen würde. Alle Kämpfer bekamen die Anweisung um jeden einzelnen Unterbewertungspunkt zu kämpfen.
Das taten sie dann auch und gewannen fünf Mal in Folge mit Ippon.
Zur Pause trat der Lehrreferent des Hamburger Judo Verbandes Helmut Behnke an die Mannschaft heran und sagte, „bis zum letzten Kampf gleicht ihr auf 6:6 aus und dann holt Sascha (Costa) den Siegpunkt zum 7:6“. Das es so nicht kam, lag am grandiosen Auftritt von Daniel Falk bis 81 kg. Der Halbfinalist der letzten deutschen Meisterschaften der Männer kämpft eine überragende Saison und warf den Weltklasse-Kämpfer Dennis Huck zuerst mit Yuko und dann mit einem fulminaten Uchi-Mata Ippon!
So führten wir bereits vor dem Kampf von Sascha Costa mit 7:6 und zusätzlich lagen wir mit 10 Unterbewertungspunkten vorne. Das „Mister Eiskalt“ diesen Kampf gegen Patrick Sieger würde mit Ippon verlieren können, glaubte niemand in der Halle und so war der letzte Kampf eine 5-minütige Feierorgie der gesamten Fans in der Halle. Sascha Costa warf Patrick Sieger mit Yuko und nahm lediglich noch zwei Verwarnungen auf sich, da er den Kampf sicher nach Hause bringen wollte, was er auch tat.
Es war eine in Hamburg nie da gewesene Atmosphäre und Stimmung in der Halle. Die Falkenberghalle in Norderstedt war bis auf den letzten Platz gefüllt und hat förmlich gebrodelt. Der komplette zweite Durchgang bestand aus Beifallstürmen und Anfeuerungsrufen. Keiner der weit über 300 Zuschauern saß mehr. Die Kämpfer wurden vom Publikum zu Höchstleistungen angetrieben und die Zuschauer wiederum durch die grandiosen Leistungen der Sportler auf der Matte. Sprechchöre über 5 Minuten, wie „Max, Max, Max“ oder „Da-ni-el, Da-ni-el, Da-ni-el“ aus über 300 Kehlen werden noch lange in Erinnerung bleiben.
Thomas Schynol


